Notwohnung

Beatrice H.* ist alleinerziehende Mutter und lebt von der Sozialhilfe. Nachdem sie mit ihren fünf kleinen Kindern wegen Eigenbedarfs des Eigentümers aus der letzten Wohnung raus musste, fand sie innert Frist keine neue. Und kam darum in einer Notwohnung der Stadt unter.

Hier kann sie zwei Jahre bleiben. Immerhin bietet die Notwohnung mit ihren sechs Zimmern genügend Platz für die sechsköpfige Familie. Wohl fühlt sich trotzdem niemand in der alten, schlecht unterhaltenen Wohnung direkt unter dem Dachstock. Einen Balkon gibt es nicht. Tageslicht fällt nur von oben durch die Dachluken in die Wohnung. Im Sommer ist es zu heiss, im Winter zu kalt, da der Dachstuhl kaum isoliert ist.

Der prekäre Zustand der Wohnung ist das eine, die Lage inmitten von Drogenmilieu und Prostitution das andere. „Das Quartier ist nicht gut für die Kinder“, sagt Beatrice H. Einen Spielplatz gibt es weit und breit nicht. Auch keinen Hof, in dem die Kinder spielen könnten. Am Anschlagbrett beim Eingang steht: „Ballspiele im Hinterhof nicht erlaubt.“ Und: „Die Türen müssen immer geschlossen sein, sonst schlafen obdachlose Menschen hier im Haus.“ Ihre drei Kleinsten fahren im Flur der Wohnung Velo. Es fehlt an einem Veloraum. Vor allem aber hat die Mutter Angst, dass den Kleinen etwas passiert, wenn sie alleine auf der Strasse spielen. „Ich begleite sie immer nach draussen und passe auf sie auf.“

Zum Glück haben die beiden ältesten je eine Patin aus dem Projekt «mit mir» von Caritas. Ein bis zwei Mal im Monat verbringen sie einen Tag zusammen, unternehmen kleine Ausflüge, besuchen ein Museum, gehen spazieren, lesen Geschichten oder backen einen Kuchen. So fördern sie ihre Patenkinder im Alltag und unterstützen sie, wo immer diese es nötig haben. Sei dies bei persönlichen Nöten und Sorgen oder bei den Schulaufgaben. Die Kinder entdecken und entfalten so ihr eigenes Potential, gewinnen an Selbstvertrauen und sind besser gerüstet für ihre Zukunft. Beatrice H. ist froh um die Entlastung und hat mehr Zeit für die Kleinen. „Ich hätte auch gerne eine Patin gehabt, als ich klein war. Umso schöner, dass meine Kinder dieses Privileg geniessen dürfen“.


* Alle Namen geändert, Bilder anderer Personen verwendet.








Jetzt spenden
 
Chantal Galladé
«Ich will, dass alle Kinder und Jugendlichen in diesem Land die bestmögliche Ausbildung und Betreuung bekommen. Nur so haben Armutsbetroffene eine Chance, sozial aufzusteigen.»